Schein und Sein

Zwei Effekte beobachte ich in letzter Zeit gehäuft.

 

Erstens onlinekauf-geprägte Kunden, die sich telefonisch oder per mail erkundigen, ob die Artikel in unserem Online-Shop "auch wirklich da sind" und Zweitens die Frage, ob wir nicht noch mehr im Bereich "Bausatz-spezifisches Zubehör" (Resin etc.) machen wollen, da insbesondere die klassischen Internetwettbewerber hier ja praktisch Alles, jederzeit und in fast unbegrenzter Stückzahl zu sagenhaften Preisen im Sortiment haben.

 

Was sie zunehmend häufiger auch problemlos können, weil im Online-Handel ja nicht die Gefahr besteht, daß auf einmal ein Kunde vor dem Tresen aus dem Boden wächst und den angebotenen Artikel stante pede zu erstehen und dann auch noch direkt mitzunehmen beabsichtigt.

 

Das Zauberwort dieser unendlichen Sortimentstiefen heißt "Dropshipping" (oder im Logistiker-Deutsch "Streckengeschäft") und umschreibt nichts Anderes, als das man Artikel verkauft, die man gar nicht hat, sondern die noch beim Hersteller oder Importeur im Lager vor sich hindösen.

 

Passend dazu gibt es tolle Software, die - angebunden an die diversen B2B-Portale - in Echtzeit den verfügbaren Bestand aktualisiert, alle Produktdaten importiert (was auch der Grund ist, warum viele Angebote bei bestimmten Artikeln die gleichen Grammatikfehler zeigen...) und die Kundenbestellungen direkt elektronisch durchreicht.

 

Die Software rechnet sogar den Verkaufspreis automatisch aus, man muss nur die gewünschte Gewinnmarge eingeben. Und die darf dann auch mal deutlich niedriger sein, weil man ja weder Invest für reale Ware, noch das Verkaufsrisiko bei potentiellen Ladenhütern hat. Zudem braucht man dafür auch kaum Lagerfläche, die ansonsten so groß sein müsste, daß man darin mit bloßem Auge die Erdkrümmung erkennen würde. Einzig die Bandbreite der potentiellen Lieferzeit muss man halt möglichst unauffällig etwas weiter fassen.

 

Womit wir wieder bei der eingangs gestellten Frage sind. Will der Traudl da nicht mehr machen? Jein...

 

Grundsätzlich bauen wir unser (real existierendes) Sortiment im Rahmen der Möglichkeiten permanent aus, was jeder der den Laden kennt sicher bestätigen kann. Allerdings müssen wir uns dann immer die Frage stellen, wo wir anfangen und wo wir aufhören. Ausstellungs-, finanz- und lagertechnisch. Aktuell liegt der Schwerpunkt eher auf z. B kompletten Farb- und Zubehörsortimenten, Diobau-Material, Airbrushtechnik mit Ersatzteilen und natürlich den klassischen Bausätzen und weniger auf 12 verschiedenen Resin-, 3D-Druck- bzw. PE-Sets und Decal-Sätzen von vier verschiedenen Herstellern für einen einzigen 1:72er Bausatz.

 

Die Lösung: Bestellung auf Kundenwunsch.

 

Wer ein spezielles Zubehör sucht, schreibt uns einfach eine mail oder ruft an. Wir geben dann umgehend Rückmeldung, ob das Gesuchte verfügbar ist, was es kostet und wie lange es dauert. So eine Anfrage ist übrigens kostenlos und verpflichtet nicht zur Bestellung.

 

Alles andere, was im Shop auf "grün" steht, ist da, von uns bezahlt, steht im Verkaufsraum bzw. dem Lager und wird i. d. R. binnen max. zwei Werktagen mit DHL versendet.

 

Herzlich willkommen im stationären Fachhandel.

 

Es grüßt

 

Christoph Donnert

 

P.S.: bedauerlicherweise ist tatsächlich auch bei uns mal ein als verfügbar gelisteter Artikel weg. In sehr seltenen Fällen führt der Scanner an der Kasse ein Eigenleben und reduziert den Bestand nicht und in leider nicht ganz so seltenen Fällen wandert ein handlicher Kleinartikel unbezahlt und ungesehen in eine Tasche. Auch das ist "Laden"...

 

Kommentare

  1. Stefan Kuhn Stefan Kuhn

    Es ist doch immer faszinierend, dass der Mensch an sich - und da nehme ich mich nicht aus - immer das haben will, was gerade nicht erreich- oder verfügbar ist. Ich kann mich noch an die Anfänge meiner "Modellbaukarriere" erinnern und da ist man dann losgezogen, um ein neues Modell in den bekannten Spielwarenläden - ja, so hiessen die Erwerbsmöglichkeiten damals noch - zu zulegen, wenn das "Alte" mehr oder weniger erfolgreich fertig war. Internet war seinerzeit von der Erde soweit entfernt, wie die Milchstraße und existierte nur in den Köpfen irgendwelcher Science-Fiction-Fantasten, was sich glücklicherweise geändert hat.
    Auch ich kaufe gerne online, in der Regel aber nur die Teile, die nur schwer, mit unverhältnismäßigem Aufwand oder gar nicht über den örtlichen Einzelhandel zu beschaffen sind. Wenn es denn unbedingt das Teil sein muß, ohne dass das Modell einfach nicht lebensfähig ist: Wie wäre es denn, das Teil online zu recherchieren und dann bei Traudls nachzufragen, ob eine sinnvolle Beschaffung möglich ist?
    Ich bin jedenfalls heilfroh, dass es die Möglichkeit des Stöberns, Erfahrungsaustausches, die Vielfalt, die seit der Übernahme eine sehr hohe Qualität erreicht hat, noch gibt und was noch wichtiger ist: Wer hatte bislang schon mal die Möglichkeit, einen Bausatz online in die Hand zu nehmen und sich von der Qualität oder auch Nichtqualität zu überzeugen? Der unschöne Nebeneffekt bei dem einen oder anderen: Bausatz ansehen, für gut befinden und dann online kaufen....

    In diesem Sinne: Mach weiter so
    Stefan

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