Museo Storico dell’Aeronautico Militaire

Mo, Jul 18, 2011

Showtime

Der Besucher des Museo Storico wird von einer HU-16 Albatross empfangen

Bericht und von Fotos von Florian Szczepanek

 
 

Museo Storico dell‘ Aeronautica Militaire 

Museum  der italienischen Luftwaffe

  • Standort: Vigna die Valle am Lago di Bracciano – ca. 25 km nordöstlich von Rom 
  • Anfahrt: Das Museum liegt etwa 4-5  Kilometer westlich von Bracciano am Ufer des Sees an der Via Circumlacuale

Das Museum der italienischen Luftwaffe ist aus mehreren Perspektiven ein echtes Highlight. Da wäre zum einen die sehr schöne Lage am Lago di Bracciano, welcher einer von drei Seen vulkanischen Ursprungs  in der Region, neben Lago di Bolsena und Lago di Vico ist. Zusätzlich hat man hier die Möglichkeit eine alte Marinefliegerstation mit ihren Einrichtungen zu sehen. Abschließend  ist natürlich die Sammlung an Flugzeugen bemerkenswert, die interessante Exponate von der Vorgeschichte der Fliegerei und von den Anfängen vor dem ersten Weltkrieg bis in die heutige Zeit beinhaltet.

Das Museum besteht aus insgesamt vier Hangars, in denen fast alle Exponate abgestellt sind. Dementsprechend ist der Erhaltungszustand der ausgestellten Flugzeuge hervorragend.

Wenn man das Gelände betritt, kommt man nach dem Eingangstor an den beiden außerhalb der Hangars abgestellten Flugzeugen vorbei. Das eine ist eine Piaggio PD 808 (ursprünglich von Douglas entworfen, dann aber von Piaggio gebaut) sowie ein erstes Highlight – eine Grumman HU-16A Albatros. Die letztere Maschine steht unter einem Kran, der ehemals die Wasserflugzeuge ins Wasser des Sees gehoben hat.

Im Museum beginnt man auf der linken Seite mit dem ersten Hangar ( genannt Troster-Hangar), der die Anfänge sowie den ersten Weltkrieg beschreibt. Echte Highlights sind hier ein Wright Flyer Typ 4 sowie als Kuriosität ein Hydroplan. Eine weitere Besonderheit sind ein Ballon von 1804, der in Paris startete und dann im Vatikanstaat niederging. Daneben sind einige schön erhaltene Maschinen des ersten Weltkriegs – eine SPAD S7 und ein Caproni CA3 Bomber.

Das Thema im  Velo-Hangar  liegt in der Zwischenkriegszeit. Im vorderen Teil des Hangars ist der Schwerpunkt bei den Massenflügen mit Savoia Marchetti S55 und S59, die durchs Mittelmeer, nach Brasilien und Nordamerika führten. Von den Flugzeugen sind nur noch Reste erhalten, allerdings wird dies mit Modellen schön dargestellt.

Der zweite Fokus liegt auf Rennflugzeugen für die Schneidertrophy, die z.B. durch die  Macchi M.39 und MC.72 repräsentiert sind. Durch zusätzliche Ausstellungsobjekte und Fotos wird der Geist der Zeit in Verbindung mit den schnittigen Linien der Wasserrennflugzeuge wieder deutlich.

Am Ende des Hangars stehen dann so berühmte Vorkriegskonstruktionen wie die Fiat CR.42 Falco, daneben aber auch das erste ‚Jet-Flugzeug‘ der Italiener, die Campini-Capproni C.C.2 aus dem Jahre 1940. Dieser Halb-Jet benutzte aber kein wirkliches Strahltriebwerk, sondern kombinierte einen innenliegenden Propeller als Kompressor mit einem unvollkommenen Nachbrenner.

Der Badoni-Hangar beinhaltet dann Maschinen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Neben den ausländischen Flugzeugen wie P-51 D Mustang, Douglas DC 3, Fieseler Storch und Spitfire Mk.9 sind besonders die italienischen Konstruktionen hervorzuheben. Neben den Jägern Macchi MC.202 und MC. 205 sowie Fiat g.55 beeindrucken vor allem SIAI S.79 Sparviero, Fiat G.212, Cant Z.506 Airone und SIAI SM.82PW. Diese großen Maschinen – alle in makelosen Zustand, dürfte man sonst nirgends auf der Welt finden. Die SM.82PW ist dabei in den Farben Maltas lackiert – das Flugzeug wurde nach dem Waffenstillstand an den Inselstaat abgegeben um ihre Zerstörung zu verhindern. Die Übersicht in diesem Hangar bleibt durch eine Aussichtsplattform erhalten, wodurch man die Abmessungen und Tragflächen insbesondere der großen Flugzeuge viel besser erfassen kann.

Der vierte und letzte Hangar, genannt Skema-Hangar, beinhaltet auf einer Empore verschiedene Schulflugzeuge, von denen einige ausländischer Herkunft (T-33), andere aber italienische Entwicklungen sind (Fiat G.80). Daneben finden sich hier noch zwei italienische Prototypen aus der konstruktiostechnisch wilden Zeit der späten 1940er und 1950er Jahren mit Aerfer Aeriete and der Aerfer Sagittario 2.  Unten im Hangar schreitet der Besucher dann eine Parade des frühen kalten Krieges ab: F-84G Thunderjet, RF-84F Thunderflash, F-84F Thunderstreak sowie CL 13 Sabre und F-86K.  Auch die englischen Hersteller sind mit der De Havilland DH 113 vertreten. Eher aus der jüngeren Zeit stammen dann MB 326, F-104 Starfighter sowie Tornado.  Ein sehr interessantes Objekt ist dann noch ein S-2F Tracker, die mit gefalteten Flügeln in einer Ecke des Hangars unter der Empore steht.  Einem der berühmtesten italienschen Flugzeugmuster, der ‚Gina‘, ist ein abgetrennter Teil gewidment. Hier finden sich insgesamt  vier Fiat G.91 verschiedener Versionen, darunter eine in der Lackierung des italienischen Kunstflugteams Freece Tricolori.

   

Neben den Ausstellungsobjekten sind in den ersten beiden Hallen viele Plakate und Fotos aufgehängt, die Zeitgeschichte, Hintergründe und Eindrücke  der Zeit wiedergegeben. Zwischen den letzten beiden Hallen finden sich dann noch viele Flugzeugmodelle in Vitrinen.  Am Ausgang ( man geht durch die Hallen Skema,Badoni und Velo zurück) kann man sich dann noch mit Souvenirs eindecken.  Neben Modellbausätzen (natürlich von Italeri) gibt es auch Kleidung und verschiedene Bücher, von denen der Großteil auf Italienisch vorliegt.  Zu empfehlen sind aber der Guide für das Museum sowie Fotobände, die vor allem Flugzeugtypen der ital. Luftwaffe der letzten 30 Jahre darstellen.

Abschließend noch einige Informationen zur Region. Der Norden Latiums bietet sich als Urlaubsziel für kulturinteressierte Menschen an. Wer reines Badevergnügen sucht, muss weiter in den Norden fahren oder am Lago di Bracciano baden. Allerdings sollte man dies nicht am Wochenende machen, da der See und seine Ufer aufgrund der Nähe zu Rom dann ein Pilgerort für viele Römer sind (inklusive starkem Verkehr und zahlreichen Leuten an den Ufern und Orten).

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