Ansichten eines Hafens – von Volker S.

Mo, Jun 11, 2012

Der Modellbauer

 

 

1. Die Idee

Seit vielen Jahren  beschäftige ich mich mit dem Bau von Schiffsmodellen.  Da sind einerseits ferngesteuerte Funktionsmodelle, aber auch immer wieder Modellbausätze als Standmodelle.  Aber Voll-Rumpf-Modelle auf ihren Ständern wirken immer etwas abgehoben. Somit ergab sich die Überlegung, wie man so ein Modell in seinem typischen Element – also im Wasser- zeigen kann.  Ähnlich wie bei Waterline-Modellen schneide ich deshalb gerne den Unterwasser-Rumpf ab um es auf einer Wasseroberfläche zeigen zu können.  Aber, ein Segelschiff mit geblähten Segeln neigt sich immer etwas unter dem Winddruck, nur bei gerafften Segeln steht es gerade im Wasser. Des weiteren verdecken die großen Segel die Sicht auf die Decksdetails und beim Takeln stören sie auch ständig.  Ein Segler mit gerefften Segeln auf dem offenen Meer ist aber etwas unrealistisch.  Eigentlich liegen diese Schiffe dann immer im Hafen.  Somit war die Idee zum Bau eines kleinen Hafens geboren.  Als Maßstab wurde 1:87 gewählt, eine gängige Größe im Modellbau.  Das Diorama  soll die Zeit des ausgehenden Mittelalters oder der Renaisssance darstellen. Die klassische Zeit für Karavellen, Galeonen, Koggen und Naos.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Gelände- und Wasserbau

Für das Wasser wurde eine durchsichtige See-Platte verwendet, in „Hinterglasmalerei“ wurde die grüngraue Farbe aufgetragen, damit der „Spiegeleffekt“ der Wasseroberfläche erhalten blieb.  Zum bemalen verwende ich grundsätzlich Revell- und Humbrolfarben.  Die Hafenmauern sind Strukturplatten aus Polystyrol. Dahinter verbirgt sich eine Rippenkonstruktion auf welcher die Gebäude und die Pflasterstraße aufgeklebt sind.  Das Pflaster kommt als fertige Klebefolie aus dem Modellbahnbereich.  Hier kann man sich beim „Altern“ austoben: Pferdegespanne, Abwasser, Abfälle und Reste aller Art überzogen damals die Straßen mit einer Schmutzschicht.

 

 

 

 

 

3. Gebäude

Die Gebäude stammen von Faller und Vollmer. Die Seitenwände wurden halbiert um Gebäudehälften zu erhalten. Wichtig ist, dass keine modernen Teile angebaut werden, wie Dachrinnen, Antennen und Lampen. Auch auf eine schmuddelige Bemalung wurde besonders Wert gelegt.

 

 

 

 

 

4. Figuren

Für Hafenarbeiter, Matrosen, Handwerker usw. habe ich nur die „Landbevölkerung“ von Preiser als passend gefunden.  Hierbei sind auch die Pferdefuhrwerke enthalten.  Die Figuren wurden teilweise umgebaut und gemäß der damaligen Mode gekleidet.  Für mich ist es wichtig, dass die Figuren möglichst in Bezug zueinander stehen oder etwas Bestimmtes tun.  Somit gibt es mehrere Gruppen auf dem Gelände:  Ein Angler wird von einem Kind mit Hund beobachtet. Eine Dame des leichten Gewerbes verhandelt mit einem Handwerker. Vor dem Gasthaus plaudert der Wirt mit der Nachbarin. Drei Söldner bewachen eine Truhe. Und sogar Möwen versammeln sich um ein Fass.

 

 

 

 

 

5. Abdeckhaube

Zum Bau der Abdeckhaube verwende  ich Klarsicht-Kunststoffplatten.  Die Kanten werden mit Sekundenkleber verklebt und als Verstärkung werden Aluminium-Winkelprofile ebenfalls mit Sek.-Kleber aufgeklebt.  Das ganze Material bekommt im Baumarkt.  Um die weißen Schlieren vom Sekundenkleber zu vermeiden blase ich die Teile während der Trocknung für ein paar Minuten mit dem Haarfön an. Das hat bisher immer geklappt.

 

 

 

 

 

6. Fazit

Kommen Sie näher heran. Hören Sie das Klatschen der Wellen und das Geschrei der Möwen? Riechen Sie den Fisch und das nasse Holz? Gleich legt die Karavelle ab und fährt zu den Gewürzinseln.  Vielleicht hat dieses kleine Diorama auch bei Ihnen etwas Romantik geweckt.

Viel Spaß beim Betrachten wünscht,

Volker Schuster

 

 

 

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