Dragon 1:350 USS Independence CVL-22

Mi, Feb 23, 2011

Ausgepackt

Ein Bericht von Sven Schönjan

Das Orginal: Zu Beginn des 2.Weltkriegs stellte sich mit dem Angriff auf die italienische Flotte in Tarent durch Trägerflugzeuge der Royal Navy und dem Angriff  der Japaner auf Pearl Harbor das Waffensystem Flugzeugträger als entscheidendes Machtinstrument im Seekrieg heraus und löste damit die Schlachtschiffe ab.

Nachdem die Vereinigten Staaten in diesen Krieg eingetreten sind war die Hauptsorge der US Navy im Kampf gegen die japanische Marine,  ausreichend fliegendes Material auf geeigneten Plattformen zu den Kriegsschauplätzen in den Weiten des Pazifik zu transportieren.  Da sich diese Situation durch den Verlust von vier großen Flottenträgern im Jahr 1942 verschärfte und da mit dem Zugang der neuen Essex-Träger nicht vor ’43 zu rechnen war, wurde nach Alternativen gesucht. Die Lösung war, neun begonnene Rümpfe der leichten Kreuzer der Cleveland-Klasse in einem Notprogramm zu Trägern umzubauen. Die daraus entstandenen Flugzeugträger waren zwar deutlich kleiner als ein zum damaligen Zeitpunkt normaler Flottenträger, aber denoch größer als die ebenfalls im Bau befindlichen Geleitträger. Uns sie hatten den Vorteil aufgrund ihrer starken Kreuzer- Antriebsanlage mit den schnellen großen Trägern mithalten zu können. Daher wurden sie als leichte Träger (CVL)  klassifiziert.             Quelle: S.Terzibaschitsch-Flugzeugträger der US Navy, Band 1

Der Bausatz: Inden letzten Jahren hat sich Dragon einen Hervorragenden Ruf erarbeitet, wenn es darum geht höchst detaillierte und präzise Bausätze zu produzieren. Nachdem sich der Hersteller zunächst hauptsächlich mit Militärfahrzeugen befasste wurde zum Glück für uns Marinemodellbauer seit einiger Zeit das Augenmerk auch auf maritime Themen gelenkt.

Der Blick in den Karton offenbart einen sauber verpackten Bausatzinhalt. Der an der Wasserlinie geteilte Rumpf ist zusammen mit der Grundplatte des Displayständers und dem Flugdeck zusätzlich in Blisterverpackungen gegen Verutschen gesichert.  Eine Probeanpassung der Rumpfteile zeigt, dass diese zwar etwas unter Spannung stehen, aber exakt übereinander passen. So ergibt es keinen Versatz an den seitlichen zur Verbesserung der Seetüchtigkeit angebrachten Wülsten bzw. Bug oder Heck.

Das Flugdeck verfügt über feine Gravuren die das Holzdeck imitieren und erhabene aber nicht übertrieben gefertigte Fangseile. Die Seiten weisen Durchbrüche für Schotten auf, wobei hier einsehr feiner erhabener Süllrand vorhanden ist. Als Schotten können alternativ Spritz- oder die beiligenden Ätzteile verbaut werden.  Die Innenseiten des Flugdecks und der Hangarwände sind strukturiert ausgeführt. Die seitlichen Rolltore des Hangars können offen und die Aufzüge abgesenkt dargestellt werden. Dadurch ergibt sich ein bedingter Einblick in diesen Bereich.

Wo es die Konstrukteure von Dragon als sinnvoll erachteten wurden Bauteile im sogenannten Slide-Mold-Verfahren hergestellt. So z.B. der Unterbau für das große SK-Radar oder den Flugzeugkran.  Diese sehr filigranen Teile sind natürlich auch entsprechend bruchanfällig bzw. verbiegen leicht so wie bei diesem Exemplar beim Kran geschehen.

Beim Betrachten der anderen Spritzlinge setzt sich der gute Eindruck von der Feinheit der Modellteile fort. Um den hohen Detaillierungsgrad aufrecht zu erhalten müssen die Anbauteile in entsprechend viele Bauteile unterteilt werden. Daher sind es gerade die kleinen Dinge, wie die Bewaffnung, welche sehr stark unterteilt sind. Ein 40mm Bofors-Zwilling besteht aus acht Einzelteilen ( Ätztelie inbegriffen). Ein 20mm Oerlikon aus sieben. Teilweise kann man dabei zwischen Spritz- und Ätzteilen wählen, teilweise sind nur Ätzteile vorgesehen. So z.B. die Sitze für die Richtschützen der Bofors.

Auf einem doppelt vorhandenen Spritzling finden sich Teile für die allgemeine Ausrüstung. Darunter sind Floater-Bakets, Rettungsboote, die Whaleboote, Signalscheinwerfer, Feuerlöschschläuche(!), etc.  Mittlerweile zum Standard bei Dragon geworden ist das Beilegen von gespritzten Besatzungsfiguren. Diese sind teilweise mehrteilig ausgeführt und bereichern das fertige Modell mit etwas Leben. Außerdem finden sich als Schmankerl neben den Flugzeugtraktoren mit Zugstangen vier Willys Jeeps.

Da man beim Bau zwischen drei Bauzuständen, nämlich Werfterprobungsfahrt, Marcus Island Raid September 1943 und Rabaul Raid November 1943, wählen kann sind teils unterschiedliche Bauteile vorhanden bzw. man muss verschiedene Waffen einbauen. Der Bauliche Unterschied besteht hier hauptsächlich in der Form der Heckaufbauten.

Eine weitere Meisterleistung sind die in transparenten Kunststoff gespritzten Flugzeuge. Es handelt sich hier um die Typen F-6F Hellcat, SBD Dauntless und TBF Avenger. An dieser Stelle will ich nur die Detaillierung der Hellcat beschreiben. Ähnliches gilt auch für die anderen Muster. Grundsätzlich können die Flugzeuge mit ge- oder entfalteten Flächen gebaut werden. Einzeln liegen zwei Versionen der Cockpitverglasung, ein- oder ausgefahrenen Fahrwerke, der Zuatztank, 5 -Zoll-Raketen, Bombenaufhängungen, der Propeller und sogar optional der Radardom für die Nachtjägervariante bei. Inwiefern sich diese Teile unter Beibehaltung der Detailtreue verkleben lassen wird sich erst beim Bau zeigen.

Die Fotoätzteile: Dragon hat dem Bausatz drei kleine Ätzplatinen beigefügt. Diese beinhalten alternative Teile für die Rolltore des Hangars oder die Schotten. Wie oben erwähnt sind für die Bewaffnung teils optionale Teile vorgesehen, teils können nur die geätzten verbaut werden. Auf der größten Platine finden sich einige Relingabschnitte, Niedergänge, Ankerketten, Radar- und Strukturteile. Die Ankerkette ist allerdings nicht zu gebrauchen, da sie weder von den Abmessungen noch von der Dreidimensionalität stimmig ist. Das von Dragon verwendete Messing ist zudem sehr dick und stabil, sodass es sich schwer biegen lässt.  Aufgrund der Dicke sind Details z.B. Schotten etwas verschwommen.

Decals: Das einzeln eingeschweißte und mit der gewohnten Schutzfolie bedeckte Decalblatt wurde von Cartograf gedruckt und ist von entsprechender Qualität. Darauf befinden sich Hoheitsabzeichen für die Bordstaffel, Oberdecksmarkierungen für die unterschiedlichen Bauzustände, taktische Nummern des Schiffes und sogar zwei „Beware of Propeller“ – Schriftzüge. Leider fehlen Staffelabzeichen für die Bordflugzeuge. Hier wird aber sicherlich der eine oder andere Hersteller von Decals bald nachziehen und solche anbieten.

Die Anleitung: Leider ist wie immer die Bauanleitung der Schwachpunkt bei Dragon. diese ist in schwarz/weiss,  hell- und dunkelblau gehalten. Da sie auf etwas länger als DIN A4 gedruckten Seiten zu finden ist, ist sie recht übersichtlich.  Kleinere Unterbaugruppen werden neben dem eigentlichen Bauabschnitt in kleinen Kästchen erläutert. Insgesamt reichen zehn Abschnitte aus um das Modell fertigzustellen. Auf der ebenfalls in der Anleitung zu findenden Bemalungsanweisung wird das recht einfache Tarnschema und die Positionierung der Decals eingegangen.

Fazit: Dragon beweist mit diesem Modell wieder einmal, dass diese Bausätze unangefochten an der Spitze der mittlerweile sehr großen Auswahl an 1:350er Schiffen stehen. Andererseits muss man auch einiges an Durchhaltevermögen aufbringen, um diesen höchst detailierten Bausatz fertigzustellen. Für einen Anfänger ist er wegen der großen Teilezahl nicht zu empfehlen. Für den Fortgeschrittenen Modellbauer bietet er ein Höchstmaß an Bausatzkunst.

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